Bye bye Nachrichten: WAZ verzichtet auf dpa
Wie das Medienmagazin ZAPP auf 3Sat gestern Abend berichtet, verzichtet der WAZ-Verlag seit diesem Jahr auf die Dienste der dpa. Damit ließen sich laut Chefredakteur Ulrich Reitz an die 2 Mio EUR einsparen. Wer in der vergangenen Woche in der Vorlesung Medienmanagement II bei Herrn Prof. Will war, wird wissen, dass dieser Betrag gerade mal einen Tropfen auf den heißen Stein darstellt. Auch der geplante NewsDesk wurde schon in die Tat umgesetzt. Ein runder Tisch, an dem Redakteure Informationen beschaffen und Artikel generieren. Diese werden dann je nach Bedarf auf die einzelnen Blätter der WAZ weitergeleitet. Vom geplanten Stellenabbau, der Teil der Konzeption für die Umstrukturierungsmaßnahmen der WAZ-Gruppe sein sollte, war in diesem Beitrag nichts zu sehen. Aber ein Ausmaß an Dreistigkeit stellt die Aussage von Chefredakteur Ulrich Reitz schon dar, der im Interview offen zugibt, dass Informationen doch zu Hauf kostenlos im Internet zu finden seien und seine Mitarbeiter schon geeignete Quellen kennen würden. Natürlich sind da auch dpa-Meldungen mit dabei!
dpa-Geschäftsführer Michael Segbers beklagt diese Entwicklung, denn wenn niemand mehr bereit sein sollte, für Nachriften zu bezahlen, bricht ein ganzes System zusammen. Was in diesem Zusammenhang noch bekannt wurde, ist, dass die Agence France Presse (afp) – die größte Nachrichtenagentur in Frankreich – jedes Jahr eine finanzielle Untersützung aus Paris bekommt. Diese fällt mit 40% des jährlichen Etats – in Zahlen: 108 Mio EUR – nicht gerade gering aus.
Den aktuellen Beitrag der Sendung vom 14.01.09 kann man sich unter http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/zapp3104.html noch einmal anschaun. Sehr zu empfehlen!
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Vielen Dank. Interessant. Die Problematik, dass Nachrichten einfach Geld kosten müssen ist tatsächlich gerechtfertig. So stellt sich auch die Frage, ob das das Ende der “objektiven” Berichterstattung und damit der jahrzehnte langen Journalismus-Evolution.
Wie wäre es mit einem dezentralen System, das die (unter Umständen reduzierten) Beiträge aller Journalisten der Welt bekommt und aus dem man Informationen ziehen kann? In der Zeit der vernetzten Kommunikation bräuchte man dann doch keine dpa mehr? Wobei ich die Funktionsweise der dpa nicht so genau kenne.
Was dabei rauskommt, wenn sämtliche Journalisten in Deutschland ihre Infos aus dem Internet holen, hat vor ein paar Tagen der Bild-Blog sehr schön enthüllt (das ging vorgestern oder so im ICQ rum: http://www.bildblog.de/5695/wie-ich-freiherr-von-guttenberg-zu-wilhelm-machte/ ).
@ Maksim: was genau wäre denn daran dezentral?